Erfahrungsbericht
Wenn Zeit, Nachsorge und Offenheit versagen
Auch wenn eine Erkrankung schwer und die Prognose schlecht ist, dürfen Verzögerung, unklare Kommunikation und mangelhafte Nachsorge nicht einfach als Nebensache verschwinden.
Die Person, um die es in diesem Fall geht, ist bereits verstorben. Es handelte sich um eine Frau Mitte sechzig mit einer seltenen und schwer behandelbaren Krebserkrankung. Die medizinischen Ausgangschancen waren von Anfang an schlecht. Gerade deshalb geht es hier nicht um die Behauptung, dass jeder negative Verlauf vermeidbar gewesen wäre. Es geht um den Eindruck, dass sich in diesem Fall mehrere Versäumnisse übereinandergeschoben haben: zu langsames Handeln, unklare Kommunikation, problematische Wundversorgung und ein Mangel an Offenheit gegenüber der Familie.
Der Verlauf begann während der Corona-Zeit. Nachdem mehrere Familienmitglieder und auch die Betroffene selbst an Corona erkrankt waren, verschlechterte sich ihr Kreislauf deutlich. Die Familie rief den Notarzt. Im Krankenhaus wurde die Frau stabilisiert, und bei einer Untersuchung zeigte sich, dass mehr hinter ihrem Zustand steckte. Von dort aus begann die weitere Behandlung über andere Kliniken und verantwortliche Ärzte.
Es geht nicht darum, jede schwere Erkrankung im Nachhinein als vermeidbar darzustellen. Es geht darum, ob in einer ohnehin kritischen Lage zusätzlich Zeit, Klarheit und Sorgfalt verloren gingen.
Ein Verlauf mit wiederholten Belastungen
Aus Sicht der Familie zog sich die entscheidende Behandlung zu lange hin. Erst nach etwa einem halben Jahr erfolgte eine Operation, bei der versucht wurde, den Tumor zu entfernen. Der Vorwurf lautet nicht, dass eine Heilung garantiert möglich gewesen wäre. Der Vorwurf lautet vielmehr, dass in einer ohnehin hochkritischen Lage wertvolle Zeit verloren ging.
Nach der Operation kam es zu weiteren Problemen. Die Frau wurde mit einer noch nicht verheilten Wunde entlassen. In der Wunde sammelte sich Flüssigkeit, die nicht ablaufen konnte, weil der Bereich bereits verschlossen war. Etwa zwei Wochen später platzte die Naht teilweise auf, und die angesammelte Flüssigkeit entleerte sich. Die Folge war die erneute Einlieferung in die Notaufnahme.
Später wurde festgestellt, dass weiterhin Tumorgewebe vorhanden war und erneut operiert werden musste. Innerhalb von nur zwei Monaten wurde die Frau damit zweimal operiert. Danach blieb die Wunde zunächst offen, und ein erheblicher Teil der Versorgung verlagerte sich in die Familie und in die ambulante Wundbehandlung. Die Heilung dauerte lange. Gleichzeitig verzögerte sich dadurch auch die weitere medikamentöse Behandlung.
Ein letztes Jahr unter Dauerbelastung
Im folgenden Jahr verschlechterte sich der Zustand der Frau weiter. Übelkeit, Erbrechen, Magenprobleme und Durchfall prägten ihren Alltag. Es war eine lange Phase der Erschöpfung und Unsicherheit. Einige Wochen vor ihrem Tod musste sie noch einmal ins Krankenhaus. Dort wurde sie stabilisiert und erhielt stärkere Blutverdünner, bevor sie erneut nach Hause entlassen wurde.
Etwa zwei Wochen später starb sie im Krankenhaus. Nach Darstellung der Familie erlag sie ihrem Tumor und inneren Blutungen.
Was besonders belastend blieb
Besonders belastend war für die Angehörigen nicht nur der medizinische Verlauf, sondern auch die Kommunikation während dieser Zeit. Nach ihrem Eindruck sprach bei den zahlreichen Krankenhausaufenthalten kein Arzt den tatsächlichen Ernst der Lage offen aus. Erst bei der Einholung einer Zweitmeinung in einer anderen Klinik wurde klar gesagt, dass die Chancen auf Überleben sehr gering seien.
Gerade darin liegt der eigentliche Kern dieses Falles: Wenn eine Erkrankung bereits schwer genug ist, darf zumindest die Kommunikation nicht auch noch unklar, ausweichend oder beschwichtigend sein. Familien müssen wissen, womit sie rechnen müssen. Patientinnen und Patienten ebenso.
Das bittere Fazit
Aus Sicht der Hinterbliebenen bleibt deshalb ein bitteres Fazit: Es wurde zu langsam reagiert, die operative Versorgung wirkte nicht überzeugend, die Wundnachsorge war belastend und die Kommunikation blieb zu lange unehrlich oder unvollständig. Ob sich dadurch das Ende hätte verhindern lassen, steht auf einem anderen Blatt. Der Eindruck, dass die Betroffene im Verlauf ihrer letzten Krankheitsphase nicht die Klarheit und Sorgfalt erhalten hat, die sie verdient hätte, bleibt dennoch bestehen.